Besser als Rembrandt? Über Kunst, Künstler und Künstliche Intelligenz

Mit Hilfe aufwendiger Scans und der Analyse von -zig Rembrandt-Gemälden gelang es den Informatikern des Projekts „The Next Rembrandt“ ein Rembrandt-Bildnis zu generieren, das exakt in Rembrandts Stil gehalten ist, aber nie von ihm gemalt wurde. Im unten eingebetteten Video wird das Verfahren sehr schön erklärt.

Wie Du siehst, gelingt es mittels aufwendiger Technik, etwas zu erschaffen, das einem echten Kunstwerk sehr nahe kommt. An dieser Stelle könnte ich jetzt an meinem Beruf verzweifeln und resigniert feststellen, dass es mir genau so geht wie all den Lithografen, Schriftsetzern und Reprografen in der Vergangenheit: Vom Fortschritt einfach überrollt.

Es lohnt sich aber, die Sache etwas genauer zu betrachten:

  • Der echte Rembrandt hätte sein Motiv niemals derart spannungslos in die Mitte des Formats platziert.
  • Der ziemlich dümmliche Gesichtsausdruck des „Porträtierten“ will so gar nicht nicht zu Rembrandts feinsinniger Auffassung von Porträtkunst passen.
  • Das Ergebnis der KI ist sehr verschieden von einem echten Gemälde. Zwar hat man es geschafft den Stil, die Farbigkeit und sogar das Impasto nachzuahmen. Dennoch bleibt das Endergebnis ein Stück buntes Plastik aus dem 3D-Drucker. Spätestens bei der Berührung eines solchen Werkes merkt auch der Laie, dass es keine richtige Leinwand oder echtes Holz ist. Auch der Geruch dürfte sich von dem eines echten Gemäldes unterscheiden.

Für die Vermarktung von Reproduktionen ist das Verfahren, Bilder dreidimensional abzuscannen und mit dem 3D-Drucker Kopien zu erzeugen, ein echter Fortschritt in Richtung Detailtreue. Natürlich freuen sich auch alle, die es mit der Urheberschaft nicht so genau nehmen, darüber …

Für den Kunstmarkt und insbesondere Kunstschaffende bedeutet es eine weitere, sehr starke Konkurrenz. Kunst ist immer mit dem sie erschaffenden Künstler verbunden. Sein Name ist die Marke, und je bekannter die Marke, desto eher wird sie nachgefragt. Inzwischen kaufen gerade im Online-Handel viele Kunstliebhaber lieber einen falschen van Gogh als einen echten „Nobody“. Zumal dann, wenn er auch noch günstiger ist. Es wird also nicht leichter werden, echte, originale Kunstwerke zu vermarkten. Aber da ist noch etwas, das mir zu denken gibt:

Die sogenannte „Künstliche Intelligenz“ ist in Wahrheit nichts anderes als angewandte Statistik oder ein Durchschnittswert vorhandener Daten, die als Messlatte dienen. Bezogen auf die Kunst heißt das, mit KI lässt sich niemals etwas wirklich Neues erzeugen, denn sie braucht stets das Alte als Grundlage ihrer Berechnungen. Ein Durchschnitt oder Mittelwert von Etwas ergibt leider immer auch nur Mittelmaß und niemals Außergewöhnliches. Leider ist die Tendenz zur Bevormundung durch Mittelmäßigkeit inzwischen in vielen Bereichen präsent („Nutzer, die dasundas angeschaut haben, haben sich auch dasundas gemerkt“). In ihrer Sammel- und Kategorisierungswut sorgt Künstliche Intelligenz letztendlich nicht dafür, dass die Menschheit weiterkommt, im Gegenteil: Wenn der Zeiger nicht mehr nach oben oder unten ausschlägt, bedeutet das zuletzt das Ende von Kreativität, Exaltiertheit, Genie und Exklusivität.

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